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JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Marcus Cohn

Justitia
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Rechtswörterbuch - FÜNFTE ABTEILUNG - Strafrecht - ELTERNMORD

WÖRTERBUCH DES JÜDISCHEN RECHTS

Neudruck 1980 der im "Jüdischen Lexikon" (1927-1930)
erschienenen Beiträge von Marcus Cohn



ELTERNMORD

ist ebenso wie Kindesmord als Verbrechen dem j. Strafrecht unbekannt. Während uns bereits in Gen. 4, 8 ein Brudermörder begegnet, finden Eltern- oder Kindesmörder weder in den Berichten der Bibel noch in den Bestimmungen des j. Strafrechts Erwähnung. Es mag als charakteristisches Zeichen der j. Mentalität gewertet werden, daß dieses Verbrechen, das in den Sagen mehrerer antiker Völker eine große Rolle spielt, im j. Rechtsleben, das auf der Idee der Elternverehrung und der selbstlosen Liebe zu den Kindern aufgebaut ist, völlig unbekannt blieb. Nach talmudischer Auffassung ist die Liebe des Vaters zu seinem Sohn so stark, daß ein Mord völlig ausgeschlossen ist (b. Sanh. 72b); daher darf auch der Sohn seinen Vater, den er beim Einbruch überrascht, nicht töten, da er wissen muß, daß dieser sich nicht mit Tötungsabsichten trägt. Dagegen wird angenommen, daß der Sohn gegenüber seinem Vater wohl solche Tötungsabsichten haben könnte und daher auch von ihm beim Einbruch getötet werden dürfte. Die grundsätzliche Ablehnung des Kindesmordes hängt wohl mit dem im Gegensatz zu den Unsitten damaliger Völkerschaften bereits in der Bibel normierten strengen Verbot der Darbringung von Menschenopfern zusammen; diese ist mit der Steinigungsstrafe bedroht, bes. wird die Hingabe der Kinder an Moloch als Greueltat bezeichnet (Lev. 18, 2 1; 20, 2ff.; Deut. 12, 3 1; 18, 10).