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JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Marcus Cohn

Justitia
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Rechtswörterbuch - FÜNFTE ABTEILUNG - Strafrecht - BETRUG

WÖRTERBUCH DES JÜDISCHEN RECHTS

Neudruck 1980 der im "Jüdischen Lexikon" (1927-1930)
erschienenen Beiträge von Marcus Cohn



BETRUG

Der dem modernrechtlichen B. zugrundeliegende Tatbestand, der durch Täuschung und Irreführung eines andern erfüllt wird, ist auch im j. Recht bes. streng verpönt (s. Irrtum und Ona'a). Im Zusammenhang mit dem Kaufvertrag, bei dem vor allem B. vorzukommen pflegt, findet sich die grundlegende Norm in Lev. 25, 14: "Wenn du deinem Nächsten verkaufst oder wenn du von ihm kaufst, so übervorteilet nicht einer den andern." Streng sind vor allem die Maßvorschriften; jede Täuschung des Nächsten hinsichtlich Maß, Gewicht und Zahl des Kaufgegenstandes ist untersagt (Lev. 19, 35f.; Deut. 25, 13f.). Ihre Übertretung bewirkt Ungültigkeit des Vertrages. Sehr eingehend sind sodann die Vorschriften hinsichtlich der Übervorteilung (Ona'a) beim Kaufpreis, die den eig. Tatbestand des j.-rechtlichen Begriffes des B. bildet. Beträgt diese Übervorteilung mehr als '/6 des Wertes des verkauften Gegenstandes, so hat der Getäuschte Anspruch auf Entschädigung oder auf Rücktritt vom Vertrage; beträgt sie gerade 1/6 , so ist die übervorteilte Summe zurückzuvergüten, bei weniger als 1/6 besteht jedoch kein Rückforderungsanspruch. Auch das Nehmen von Zins wird als B. gewertet (s. auch Darlehen) und ist unzulässig (b. B. M. 6 la), desgl. das Vorenthalten des Lohnes des Arbeiters (s. auch Arbeitsvertrag). Nicht nur der B. bei Verträgen, sondern auch die Täuschung und der B. mit bloßen Worten sind verpönt.