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JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Marcus Cohn

Justitia
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Rechtswörterbuch - ZWEITE ABTEILUNG - Schuldrecht - VIEHVERSTELLUNG

WÖRTERBUCH DES JÜDISCHEN RECHTS

Neudruck 1980 der im "Jüdischen Lexikon" (1927-1930)
erschienenen Beiträge von Marcus Cohn



VIEHVERSTELLUNG

Unter der V., welche in mittelalterlichen Rechten in mannigfachen Formen zur Anwendung kam, wird die Verstellung von einzelnen Stücken Vieh oder ganzen Herden beim sogenannten Einsteller verstanden, welcher, ähnlich wie der Viehpächter, das Vieh nutzt und verwendet, wobei dann Gewinn und Verlust gemeinschaftlich vom Versteller und Einsteller nach einer festgesetzten Relation verteilt werden. Es ist wahrscheinlich, daß die deutschrechtlichen Bestimmungen betr. die V. von den talmudischen Formen in mancher Hinsicht beeinflußt worden sind, da die J. des Mittelalters sich bes. mit dem Viehhandel befaßten. Die V. wird im Recht als eine besondere Form der Gesellschaft betrachtet. Der Talmud erwähnt die Form dieser V. im Zusammenhang mit dem Verbot des Zinsnehmens; die Mischna (B. M. 5, 5) läßt eine Form zu, lehnt jedoch eine andere ab. Der Züchter muß jeweilen für seine Mühewaltung und Verpflegungskosten noch eine bes. Vergütung erhalten, sonst wird die an den Vieheigentümer zu bezahlende Quote (zumeist die Hälfte am Gewinn) als Verzinsung betrachtet und deshalb abgelehnt (vgl. B. M. 5, 4). Im Talmud (B. M. 68a) wird erörtert, wie hoch sich der Lohn des Züchters belaufen muß. Der Lohn kann auch in einer Verminderung des Risikos des Vieh Einstellers (Pächters) liegen. Da das Zinsverbot nur für J. Geltung hat, ist der Abschluß eines Gesellschaftsvertrages bei gleicher Verteilung des Risikos ohne besondere Entschädigung für den Übernehmer mit einem Nichtj. zulässig (B. M. 5, 6). Im j. Talmud (B. M. 5, 7) findet sich eine Definition des in der Mischna gebrauchten Ausdrucks "eisernes Schaf" (Zon barse), welcher auch im Ehegüterrecht Verwendung findet (s. Eherecht und Ketubba). Der Ausdruck hat seinen Grund in der Verteilung des Risikos vom Standpunkt des Vieheigentümers aus gesehen, welcher das ganze Risiko auf den Übernehmer abwälzt und doch die größten Gewinnchancen erzielt. Der im germanischen Recht übliche Ausdruck "Eisenviehvertrag" oder "lmmerrind" dürfte auf diesen talmudischem Ausdruck zurückzuführen sein.