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JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Marcus Cohn

Justitia
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Rechtswörterbuch - ZWEITE ABTEILUNG - Schuldrecht - TAUSCH

WÖRTERBUCH DES JÜDISCHEN RECHTS

Neudruck 1980 der im "Jüdischen Lexikon" (1927-1930)
erschienenen Beiträge von Marcus Cohn



TAUSCH

Der T.-vertrag, eine gegenseitige Übertragung individueller Gegenstände, findet sich vor allem in einer Zeit, da das Geld als Wertmesser und Zahlungsmittel noch fehlte. Die Gleichheit der eingetauschten Objekte ergibt sich somit weniger aus dem objektiven als aus dem subjektiven Wert. Der Terminus Chalifin (eig. Ersatz) wurde späterhin nicht nur für den T.-vertrag selbst, sondern auch für die Erwerbsart, die einen solchen T. symbolisiert, gebraucht; beim fiktiven T.-vertrag (Kinjan chalifin) überträgt die eine Partei der anderen ein Stück eines Mantels, woher dieser Erwerbsakt den Namen "Mantelgriff" erhalten hat. Der Erwerbsakt, der an einem T.-objekt vorgenommen wird, bewirkt zugleich auch die Übertragung des anderen, und es ist nicht notwendig, daß der formelle Erwerbsakt auch an dem als Gegenleistung hingegebenen Objekt vorgenommen wird (vgl. Kinjan).

Der T.-vertrag kann sich nach j. Recht auf alle beweglichen Sachen, auch auf Tiere, erstrecken, jedoch nicht auf Geldmünzen und Urkunden (Schetarim), weil diese keine Wirtschaftsgüter selbst, sondern nur Faktoren zur Wertvergleichung oder zur Repräsentierung eines Wertes sind. Auch Grundstück gegen Grundstück kann eingetauscht werden (Responsen Raschba, zit. Ch. M. 203, 10). Während jedoch nach rabbinischer Verordnung, im Gegensatz zum älteren Recht, durch Kauf Mobilien mittels Geldleistung allein, ohne gleichzeitige Übergabe der Sache, im allgemeinen nicht erworben werden können, weil zu fürchten ist, der Verkäufer könnte das bei ihm verbleibende Kaufobjekt im Fall einer Gefahr nicht retten, wird der T.-vertrag perfekt, auch wenn die Objekte beim Zueigner verbleiben (Tossafot sowie Ramban und Ran suchen für diese Regelung beim T.-vertrag einen Grund zu geben; vgl. B. M. 46a; Toss. und Schitta z. St.; Netiwot Ch. M. 203, 3). Eine Übervorteilung (Ona'a) gibt es beim T.-vertrag nicht; Maimonides (Hilchot mechira 13; vgl. Maggid z. St.) macht freilich hinsichtlich der Übervorteilung eine Unterscheidung zwischen Geräten und Früchten (Verbrauchsgegenständen), auch Josef Karo (Ch. M. 227, 20) läßt für letztere die Bestimmungen betreffend Übervorteilung zu, wie sie beim Kauf Geltung haben.