Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Marcus Cohn

Justitia
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Rechtswörterbuch - ZWEITE ABTEILUNG - Schuldrecht - SCHULDURKUNDE

WÖRTERBUCH DES JÜDISCHEN RECHTS

Neudruck 1980 der im "Jüdischen Lexikon" (1927-1930)
erschienenen Beiträge von Marcus Cohn



SCHULDURKUNDE

Die wichtigste Art einer Schuld im j. Recht ist die Schuld aus einem Darlehen, das mündlich verabredet oder urkundlich festgelegt werden kann; die Schuldurkunde (schetar chow) des sich verpflichtenden Darlehensnehmers hat daher große Bedeutung im j. Recht und bildet einen wichtigen Typus des Schetar. Ist die Sch. vom Schuldner eigenhändig ohne Zeugen unterzeichnet, so fehlt dieser Schuld die Publizität (Offenkundigkeit) und somit auch die generalhypothekarische Haftung, die sich auch auf nach Begründung der Schuld veräußerte Immobilien erstreckt. Ist die Urkunde hingegen von Zeugen unterzeichnet, dann bewirkt sie die völlige generalhypothekarische Haftung des Schuldners.

Der sch'tar hakna'a ist eine spezielle Art der Sch., die eine einseitige Verpflichtung auch ohne Vorliegen irgendeiner Gegenleistung begründet (b. B. M. 13a, 17b; Ch. M. 39, 13). Das j. Recht kennt außerdem eine Vertrauensurkunde (schgtar amana), die der Schuldner dem Gläubiger ohne vorangegangene Zahlung übergibt und aufgrund der er späterhin ein Darlehen beziehen wird. Da das damit ausgedrückte Vertrauen als zu weitgehend erachtet wird, wird im Talmud und rabbinischen Recht (Ket. 19; Ch. M. 46) festgesetzt, daß der Gläubiger eine solche Urkunde nicht im Hause haben darf. Auf einer Fiktion beruht ferner der schetar passim für Kredite oder ähnliche Zwecke, dessen Inhalt fiktiv gedacht ist (b. Ket. 19b; 78a ff.); s. auch Scheingeschäft, Mamrem.