Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Marcus Cohn

Justitia
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Rechtswörterbuch - ZWEITE ABTEILUNG - Schuldrecht - SCHENKUNG

WÖRTERBUCH DES JÜDISCHEN RECHTS

Neudruck 1980 der im "Jüdischen Lexikon" (1927-1930)
erschienenen Beiträge von Marcus Cohn



SCHENKUNG,

als unentgeltliche Vermögenszuwendung an einen anderen, wird im j. Recht verschieden formuliert, je nachdem, ob es sich um die eig. Sch. unter Lebenden, mattana (von naton, geben), oder um die Sch. von Todes wegen, mattenat schechiw mera), handelt (über letztere s. Erbrecht). Im allgemeinen ist das Schenken verpönt, in Anlehnung an Spr. 15, 27: "Wer Geschenke haßt, wird leben" (vgl. b. Kidd. 59a). Besonderen Wert legt hingegen die j. Lehre auf die Sch. an Arme und Hilfsbedürftige (Mattenot anijim). Gleichwohl hat das Sch.-institut im j. Recht eine ganz besondere Ausprägung gefunden; es wird darauf hingewiesen, daß der Sch. ein ethischer Wert - Betätigung der Dankbarkeit - zukommt (vgl. b. B. M. 16a).

In juristischer Beziehung ähnelt die Sch. am meisten dem Kaufvertrag, jedoch mit dem Unterschied, daß es hier an der wirklichen Gegenleistung fehlt; auch gilt zwangsweise ausgeübte Sch. nicht. Ferner sind an die Offenkundigkeit der Sch. von Grundstücken höhere Anforderungen gestellt als beim Kaufe, da die im geheimen ausgefertigte Sch.-urkunde keine Gültigkeit hat (b. B. B. 40b). Ferner übernimmt der Schenker im Gegensatz zum Verkäufer keine Haftung wegen Rechtsmangels. Eine besondere Entwicklung hat die Sch. durch das j. Rechtsinstitut Sechija erfahren, das den Erwerb der Sch. auch durch auftraglose Vertreter vorsieht.