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JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Marcus Cohn

Justitia
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Rechtswörterbuch - DRITTE ABTEILUNG - Sachenrecht - IR'UR

WÖRTERBUCH DES JÜDISCHEN RECHTS

Neudruck 1980 der im "Jüdischen Lexikon" (1927-1930)
erschienenen Beiträge von Marcus Cohn



IR'UR

"Anfechtung", "Widerspruch" ist die Anfechtung eines Eigentumsrechts (vindicatio) durch einen Dritten, den Anfechtenden (mear-er), der dem tatsächlichen Besitzer das Eigentumsrecht an der Sache, insb. auch das Recht zu ihrem Verkauf, abspricht. Der Eigentümer kann sich gegenüber einem I. darauf berufen, daß durch seinen tatsächlichen Besitz die Chasaka (Rechtsvermutung) seines Eigentums begründet wird und sein Eigentum nur durch bessere Rechtsgründe wirksam angefochten werden kann. - Maimonides verbietet den Verkauf eines durch I. streitig gemachten Feldes; obgleich der Verkäufer dem Käufer für den aus einer Eigentumsentziehung entstehenden Schaden haftet (Eviktion), hat der Käufer doch seinen Anspruch an der verkauften Liegenschaft oder Sache erst gerichtlich durchzusetzen, was für ihn mit Mühen und Kosten verbunden ist. Wird von seiten des Verkäufers die Haftung für Eviktion ausdrücklich ausgeschlossen, so hat der Käufer sich selbst gegen den I. zu wehren, und der I. begründet, sobald er den Besitz angetreten hat, für ihn kein Recht zum Rücktritt vom Kaufvertrag (b. B. K. 8b). Umstritten ist im Talmud (b. Ket. 109a) die Frage, ob eine schriftliche Zustimmung des Dritten zu einem Kaufvertrag dessen Recht auf I. ausschaltet, und es wird die Meinung vertreten, daß er gleichwohl eine 1.Erklärung abgeben kann, da er sich mit seiner Zustimmung zum Kaufvertrag keines Rechtes zu begeben glaubte. Andere dagegen sind der Meinung, daß in seiner Unterschrift, verstärkt durch die Unterschrift eines Zeugen, dieser Verzicht ausgesprochen ist.