Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Marcus Cohn

Justitia
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Rechtswörterbuch - DRITTE ABTEILUNG - Sachenrecht - FUND

WÖRTERBUCH DES JÜDISCHEN RECHTS

Neudruck 1980 der im "Jüdischen Lexikon" (1927-1930)
erschienenen Beiträge von Marcus Cohn



FUND

(mezia) Gemäß ausdrücklicher Bestimmung der Tora (Ex. 3,4; Deut. 22,3) muß ein F. dem Eigentümer zurückgebracht werden, und der Finder ist verpflichtet, sich um diese Zuweisung an den Berechtigten zu bemühen; gegebenenfalls ist der gefundene Gegenstand in Verwahrung zu nehmen und für dessen Erhaltung zu sorgen. Bezieht sich die Norm im Hinblick auf die damaligen wirtschaftlichen Verhältnisse in erster Linie auf gefundene Tiere (Ochs, Esel, Schaf; Ex. 23, 4), so wird doch schon in Deut. 22, 3 bestimmt: "Und so sollst du tun mit seiner Kleidung und jedem verlorenen Gegenstande deines Bruders, wenn er es verlieren sollte und du es findest. Du kannst dich ihm nicht entziehen." Aus der Bemerkung in Deut. 22, 2, daß man die gefundene Sache bei sich behalten solle, "bis dein Bruder sie erfragt, dann gib sie ihm zurück", wurde gefolgert, daß der F. bekanntgegeben werden muß. Zur Zeit des Talmud war es Übung, den F. bei einem Mahnstein (ewen to-en), einer Art F.-büro in Jerusalem, auszurufen, wo auch die Verluste angemeldet wurden (b. B. M. 28b). In der Zeit der staatlichen Selbständigkeit wurde der F. an den drei Wallfahrtsfesten (Schalosch regalim) in Jerusalem ausgerufen. Nach der Zerstörung des Tempels war es Vorschrift, den F. in den Lehrhäusern auszurufen. Als jedoch der j. Staat unter Fremdherrschaft geriet, wurde die Vorschrift des Ausrufens der F.-gegenstände fallengelassen, weil zu befürchten war, daß entsprechend dem Grundsatz der fremden Rechte die gefundenen Gegenstände für die Regierung konfisziert wurden, wie dies im persischen Recht der Fall gewesen zu sein scheint (b. B. M. 28b). Die gefundene Sache darf ausschließlich dem Eigentümer ausgehändigt werden, der durch Bekanntgabe der Kennzeichen (simanim) sich zu legitimieren vermag. Fehlte dem verlorenen Gegenstand jedoch ein Kennzeichen, so brauchte die Bekanntgabe des F.'es nicht zu erfolgen, es durfte vielmehr angenommen werden, daß der Eigentümer die verlorene Sache wieder aufzufinden endgültig aufgegeben habe. Dieser Verzicht des Eigentümers Je'usch, wörtlich "Entsagung" (eine Art Dereliktion), erfährt, da er eine der formellen Voraussetzungen für den Erwerb eines F.'es ist, eine besondere Ausprägung im j. Recht. Er darf vermutet werden, wenn der Gegenstand unter außergewöhnlichen Ereignissen (z. B. Überschwemmungen) abhanden gekommen war oder wenn sich trotz des Ausrufens kein Eigentümer gemeldet hatte. In all diesen Fällen darf sich der Finder die Sache nach strengem Recht aneignen. Falls er sich jedoch "innerhalb der Rechtslinie" halten und nach Treu und Glauben handeln will, muß er die Sache auch weiterhin zurückgeben. Ausführlich wird im Talmud berichtet, wie der Name Gottes durch die Rückgabe des gefundenen Gegenstandes an Nichtj. geheiligt wurde, indem diese, erfreut über die unerwartete Rückgabe, ausriefen: "Gelobt sei der Gott der Juden" (b. B. K. 113b; j. B. M. 11, 8c). Ist die Aneignung berechtigt, so erfolgt sie durch Ergreifen der Sache oder durch die Einbringung in den Besitz des Finders. Die Mischna (B. M. Kap. 1 und 2) beschäftigt sich eingehend mit den bezüglichen Vorschriften betr. die Aneignung, insb. auch mit dem Fall der Kollision der Aneignungsabsicht mehrerer Finder. Personen, die nach j. Recht nicht selbständig erwerbsfähig sind, wie Kinder, Ehefrau, Sklaven, erwerben den F. für den Vater bzw. Herrn. Hingegen steht der F. des Arbeiters diesem selbst zu. Der Finder hat keinen Anspruch auf Finderlohn. Es steht ihm allenfalls nur das Recht zu, seine Auslagen für die Aufbewahrung der Sache oder eine Entschädigung für Zeitverlust zu begehren.