Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Marcus Cohn

Justitia
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Rechtswörterbuch - SECHSTE ABTEILUNG - Prozessordnung - GESTÄNDNIS

WÖRTERBUCH DES JÜDISCHEN RECHTS

Neudruck 1980 der im "Jüdischen Lexikon" (1927-1930)
erschienenen Beiträge von Marcus Cohn



GESTÄNDNIS

(hoda'a) Das j. Recht mißt im Straf- und Zivilprozeß dem G. eine verschiedene Bedeutung zu. Im Strafprozeß ist ein G. völlig wertlos, da der Angeklagte nur aufgrund der Aussage von zwei klassischen Zeugen verurteilt werden darf. Diese Zeugen-Aussagen bilden den einzigen rechtsgültigen Beweis und die unerläßliche Voraussetzung einer Verurteilung des Angeklagten. Der j. Richter hatte daher auch kein Interesse daran, ein G. herbeizuführen oder durch rigorose Mittel zu erzwingen; die Bemühungen des Gerichts, den Angeklagten zu einem G. zu veranlassen, erfolgten nur, um ihn zu einem reumütigen Bekenntnis zu führen, vielleicht auch, um das Gerichtskollegium selbst zu beruhigen (Sanh. 6, 2). Das G. selbst kann jedoch im j. Strafprozeß keine Berücksichtigung finden. Vielmehr gilt der Grundsatz, daß jeder in eigener Sache als befangen gilt und "keiner sich selbst als Frevler hinstellen kann" (en adam messim azmo rascha, b. Sanh. 9b). Trotz eines vorliegenden G.'s des Angeklagten müssen somit im j. Strafprozeß die Zeugen den Tatbestand durch ihre Aussagen bestätigen und gleichzeitig den Nachweis für den vorhandenen Vorsatz durch die der Tat vorangegangene Verwarnung (Hatra'a) erbringen. Durch ein G. wird der Schuldige jedoch in bestimmten Fällen von der vorgesehenen Geldstrafe (kenass) befreit. "Der Geständige wird frei von der Geldstrafe" (mode bikgnas spatur, b. B. K. 64b). In religiöser Hinsicht bewirkt die im G. zum Ausdruck kommende Reue eine Befreiung von der Schuld.

Im Zivilprozeß hingegen ist das G. ein rechtsgültiges und sehr wichtiges Beweismittel. "Das Geständnis der Partei ist soviel wert wie die Aussage von 100 Zeugen" (hoda'at ba'al din kemea edim dami, b. Gitt. 40b), sofern es nämlich in Gegenwart von mindestens zwei zeugnisfähigen Männern erfolgt; in gewissen Fällen müssen diese noch bes. zur Zeugenschaft aufgefordert werden (Ch. M. 8 1). Beim Ablegen des G.'s mußten gewisse Formen eingehalten werden. Auch im Stillschweigen kann unter gewissen Voraussetzungen ein G. erblickt werden (b. B. M. 6a). Immerhin sollte bei der Auslegung eines solchen Stillschweigens besonders vorsichtig vorgegangen werden (b. B. M. 37b). Bezog sich das G. lediglich auf einen Teil der Klage, so galt zwar nur dieser Teil als zugestanden; der Beklagte war aber nun - im Gegensatz zu den sonstigen Regeln der Lehre vom Beweis - verpflichtet, für den übrigen Teil der Forderung, allerdings nur, wenn es sich um Mobilien handelte, den Eid zu leisten (s. unter Eid IV, la). "Wer einen Teil anerkennt, muß schwören" (mode bemikzat jischawa, b. Schew. 42b). Wird durch das G. ein anderer in seinen Ansprüchen geschädigt, so verliert es seine Gültigkeit (Ch. M. 47, 1; vgl. Respons. des R. Samuel di Medina T. IV, 140).