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JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Marcus Cohn

Justitia
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Rechtswörterbuch - SECHSTE ABTEILUNG - Prozessordnung - ENTLAR

WÖRTERBUCH DES JÜDISCHEN RECHTS

Neudruck 1980 der im "Jüdischen Lexikon" (1927-1930)
erschienenen Beiträge von Marcus Cohn



ENTLAR

(vom Griech.: Entolarios, Beauftragter Anwalt) ist der Mandatar, vor allem der von einem Fürsten entsandte Bevollmächtigte, und bedeutet im nachtalmudischen Schrifttum den Vertreter in einer Rechtssache. Der griech. Terminus weist auf die späte Entstehung hin. Tatsächlich war der Anwalt dem talmud. Recht fast völlig unbekannt. Im Anschluss an eine Stelle im Talmud (j. Sanh. 19d), wo E. in diesem Sinn erwähnt wird, beschäftigen sich die Dezisoren (Possekim) mit der Frage der Zulässigkeit eines Anwalts. Dort wird, anknüpfend an die Bestimmung der Mischna, dass der Hohepriester richten und gerichtet werden kann, der Einwand, dass der Hohepriester doch eigentlich einen "E." bestellen könnte, durch den Hinweis darauf beseitigt, dass er persönlich zu einem Eid verpflichtet werden, der E. diesen Eid aber nicht leisten könnte.

Die Dezisoren vertreten die Ansicht, dass nicht nur der Angeklagte im Strafprozess, sondern auch der Beklagte im Zivilprozeß persönlich vor Gericht erscheinen muss und sich nicht durch einen Anwalt vertreten lassen kann (Maimonides, Hilschot Sanh. 12, 3; Rozeach 4, 7; Ch. M. 124). Der Kläger hätte jedoch im j. Zivilprozess, bes. in der spättalmudischen Zeit, die Möglichkeit, mittels der Harscha'a (Prozeßvollmacht) einen Bevollmächtigten zu ernennen. Aber auch dem Kläger wollen manche Dezisoren bei persönlicher Anwesenheit den Anwalt versagen.