Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Marcus Cohn

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Rechtswörterbuch - SIEBTE ABTEILUNG - Ergänzungsartikel - ZAUN UM DAS GESETZ

Jüdisches Lexikon





ZAUN UM DAS GESETZ

Bezeichnung für rabbinische Verord­nungen, die, wie ein Zaun die von ihm umhegten Pflanzungen schützt, die Verbote der Tora vor Übertretung bewahren sollen. Sie geht zurück auf P. A. 1, 1 (Sprüche der Väter): "Machet einen Zaun um die Tora" (vgl. ebd. III, 13). Angelehnt wird diese Mahnung an Lev. 18, 30: "Wahret meine Hut", das in midraschischer Weise gedeutet wird: "machet eine Bewahrung (einen schützenden Zaun) für meine Vorschrift" (Jew. 21a). Das allgemeine, religiöse Motiv für die aus der Beherzigung dieser Mahnung folgenden rabbinischen Verordnungen ist die in der Ehrfurcht vor Gott wurzelnde Scheu vor Übertretung des Gottesworts: "um den Men­schen von der Sünde fernzuhalten." Im Einzelnen werden für diese Verordnungen, die sich als Gserot (Vorbeugungsverbote), aber auch als Takkanot (Maßregeln und Neueinrichtungen) darstellen (vgl. den Kommentar des Maimonides zu P. A. 1, 1), verschiedene Motive angegeben, so Jew. 20a: "Heilige dich, indem du dir sogar ver­bietest, was dir erlaubt ist!" Weiter sollen sie dazu dienen, um auch den Schein der Sünde zu vermeiden, um jeden Verdacht auszuschließen, keine Untreue gegen fremdes Gut zu veranlassen, jedem Raub, auch dem geringsten, fernzubleiben u. a. Vor zu weit gehenden Vorbeugungsgeboten, die als drückend erscheinen oder wiederum andere Vorbeugungsgebote schützen sollen, wird ge­warnt. Beispiele für den Z. u. d. G. sind gewisse über das biblische Arbeitsverbot am Sabbat hinausgehende Bestimmungen, wie das Verbot des Musizierens (weil es sonst zur Wiederbrauch­barmachung des schadhaft gewordenen Musik­instruments kommen könnte) oder die Erweiterung der für das Eheverbot in der Bibel (Lev. 18, 6-18)erwähnten Verwandtschaftsgrade, um durch Selbstheiligung der großen Sünder der Blutschande auch von fern auszuweichen.