Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Marcus Cohn

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Rechtswörterbuch - SIEBTE ABTEILUNG - Ergänzungsartikel - Verdacht

Jüdisches Lexikon





VERDACHT

Nach talmudischem Recht macht ein Verdacht die verdächtige Person unfähig zu einer Rechtshandlung, die Vertrauen voraussetzt. Dagegen gilt er nicht als ausreichender Grund für eine strafrechtliche Verfolgung. Ein V. stützt sich auf eine vorangegangene Handlung oder auf sonst vorliegende Tatsachen und bildet für die Zukunft eine Art Präsumtion. Wer z. B. bereits einmal falsch geschworen hat, ist auch für die Zukunft des Falscheides verdächtigt. Ein V. kann ein allgemeiner oder besonderer sein, wenn er sich nämlich auf eine bestimmte Gruppe von Tatsachen beschränkt. Als besonderer V. gelten die folgenden Kategorien: V. in Geldangelegenheiten, Diebstahlverdacht, Falscheidverdacht, Blutschandeverdacht und Kriminalverdacht. Bei besonderem V. gilt folgende Regel: der schwerere V. schließt den leichteren ein, der leichte schließt den schwereren aus. So ist der in Geldangelegenheiten Verdächtige nicht falscheidverdächtig, dieser nicht kriminalverdächtig.

Wer einer Sache verdächtig ist, ist in der betreffenden Sache nicht mehr glaubwürdig, sofern er auf diese Glaubwürdigkeit Rechte für sich begründen will. Er kann jedoch in einer ähnlichen Sache für einen anderen als gutgläubiger Zeuge oder Sachverständiger zugezogen werden. Der V. gilt als Abberufungsgrund für Richter und Zeugen und als Hindernis für die Ernennung zum Vormund.