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JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Marcus Cohn

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Rechtswörterbuch - SIEBTE ABTEILUNG - Ergänzungsartikel - Sklaverei

Jüdisches Lexikon





SKLAVEN, SKLAVEREI

Obwohl die Israeliten Haus- und Feldarbeit zumeist selbst besorgten, konnten sie bei fortschreitender Kultur der Sklaverei dennoch nicht entbehren, und was über die wirtschaftliche Notwendigkeit hinausging, war herbeigeführt durch Reichtum und Entfaltung von Pracht. Der Sklavenstand hatte übrigens in alter Zeit nichts Drückendes, da die S. bei den Israeliten völlig als Hausgesinde behandelt wurden und fast dieselbe Stellung im Hause hatten wie Frauen und Kinder. Namentlich der älteste Haussklave, wie ein Elieser bei Abraham, erlangte eine sehr angesehene Stellung und war unter Umständen erbberechtigt (Gen. 15, 2f., 24, 2). Eine Sklavin, selbst eine solche, die von der rechtmäßigen Frau ins Haus gebracht wurde, konnte von ihrem Herrn zur Gattin und Gebieterin des Hauses erhoben werden (Spr. 30, 23 spricht von Missbrauch solchen Glückes). Man gab den S. eigene Töchter zu Weibern (I. Chr. II, 35) und den Sklavinnen eigene Söhne zu Männern (Ex. 21, 9, s. Kebsweib). Die S. und Sklavinnen waren entweder Kriegsgefangene (vgl. Gen. 31, 26; Deut. 21, 10), oder gekauft (Gen. 17, 12) oder im Hause geboren (ebd. 17, 23), u. zw. meistens fremdstämmige (ebd. und Lev. 25, 44). Doch wurden auch Hebräer bzw. deren Kinder schuldenhalber zu S. gemacht (II. Kön. 4, 1, vgl. Neh. 5, 5), was bei einem Mädchen bes. Schutzmaßnahmen nötig machte. In Ansehung dieser hebr. S. und Mägde wurden die milden Gesetze Ex. 21, 2ff. gegeben, doch zeigt Jer. 34, 9-11, dass dieses Gesetz praktisch nicht durchgeführt wurde. Der hebr. S., der eig. im 7. Jahre der Dienstzeit frei ausgeht, der aber erklärt hatte, er wolle bei seinem Herrn bleiben, wird gleichwohl jedenfalls im Jobeljahre frei (Ex. 21, 6 nach rabbinischer Auslegung, vgl. Lev. 25, 40). Da aber die Berechnung des Jobels schon vor der Babylonischen Gefangenschaft aufgehört hat, so geht die rabbinische Regel dahin, dass es von dieser Zeit an auch keinen hebräischen S. mehr gegeben habe (b. Arach. 29 a), was sich gewiss darauf gründet, dass in der zweiten Staatsperiode der Hebräer nicht den Bruder als S. bei sich hatte. Aber dass ein Hebräer bei Heiden diente, wird infolge der kriegerischen Verwickelungen und der Unglücksfälle gerade dieser Zeit um so häufiger geschehen sein; ein solcher aber wurde von seinen Stammes- und Glaubensgenossen mit aller Macht ausgelöst. Die Essäer und Therapeuten duldeten überhaupt keine S. In der ganzen rabbinischen Zeit, wo allerdings von S. viel gesprochen wird, gab es also nur "kanaanäische" S. und Mägde, aber auch diese wurden human behandelt und waren mit Rechten ausgestattet. Aus den Gesetzen der Tora sei erwähnt, dass der heidnische S. schon die Freiheit erhielt, wenn ihn sein Herr so züchtigte, dass er ihm etwa einen Zahn ausstieß; der entflohene S. sollte seinem Herrn nicht ausgeliefert werden; dem aus dem Dienste scheidenden S. sollten wertvolle Geschenke an Schafen, Getreide und Wein mitgegeben werden. Wer sich einen hebr. S. kauft, so sagten die Rabbinen, kauft sich damit einen Herrn — so sehr muss er für ihn in Bezug auf Speise, Trank, Wohnung und Kleidung sorgen. Aber auch dem heidnischen S. kamen gerade die großen Männer der rabbinischen Zeit mit Wohlwollen entgegen; man nannte die Alten unter ihnen: „Vater N.", „Mutter N.", trauerte über ihren Tod wie um seinesgleichen und nahm Trost entgegen. Aus der griech. Diaspora besitzen wir Inschriften, die besagen, dass der Herr oder die Frau für ihre S. und Sklavinnen auch über den Tod hinaus sorgten. Es war etwas ganz Gewöhnliches, dass der sterbende Herr seinem S. letztwillig die Freiheit schenkte. Der Akt der Befreiung wird im talmudischen Recht eingehend besprochen. Für die Beurteilung des Charakters des S. ist der Satz (PA 2,7) bezeichnend: "Viele Sklaven, viel Raub", analog dem römischen Spruch: "Soviele S., soviele Feinde". Es gibt keine Wahrhaftigkeit unter S. Sie sind Spieler, Trunkenbolde, faul, frech und ganz bes. ausgelassen in geschlechtlicher Beziehung, und dass eine Sklavin tugendhaft bleibe, galt für ausgeschlossen. Darum eben war ein Connubium zwischen einem Israeliten und einer kanaan. Sklavin unzulässig. Kinder aus solcher Ehe wurden als Mamserim bzw. als S. betrachtet, letzteres weil der Stand des Kindes sich immer nach dem der Mutter richtete.