Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Marcus Cohn

Justitia
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Rechtswörterbuch - SIEBTE ABTEILUNG - Ergänzungsartikel - KREUZIGUNG

Jüdisches Lexikon





KREUZIGUNG

Die Kreuzigung als Form der Todesstrafe durch Anbinden oder Annageln des Verurteilten an ein in verschiedener Form gestaltetes Kreuz, war im jüdischen Recht nicht bekannt. Wohl spricht die Bibel von einer Todesstrafe, wonach der Verbrecher an ein Holz gehängt werden soll (Deut. 21, 22). Die Mischna (Sanh. 6, 4) stellt aber ausdrücklich fest, dass dieser Akt nur nach vorheriger Tötung des Schuldigen durch Steinigung vollzogen werden durfte. Weiterhin musste der Leichnam noch am gleichen Tage abgenommen und begraben werden (Deut. 21, 23). Mit dem Aufhängen sollte also offenbar nur eine Verwarnung des Volkes bezweckt werden. Ganz anders verlief die bei vielen Völkern des Altertums, insbesondere bei den Römern, übliche Kreuzigung. Sie galt als die grausamste und schimpflichste Todesstrafe, die nur an Personen vollstreckt werden durfte, die nicht das römische Bürger­recht besaßen (vgl. Ap. G. 22, 28). Antiochus Epiphanes verbot z. B. den Juden die Beschneidung bei Strafe der Kreuzigung. (I. Makk. 1, 63ff.; Jos., Ant. XII 5, 4). Der Kreuzigung voraus ging die Geißelung des Ver­urteilten (Jos., B. J. 2, 14, 9; 5, 11, 1), wie das ja auch von Jesus berichtet wird (Mat. 27, 26H.). Der Delinquent musste dann sein Kreuz selbst zum Richtplatz tragen (Ber. R. 56; Joh. 19, 17). Dort wurde er, vielfach nur mit einem Schurz um die Lenden bekleidet, an Händen und Füßen ans Kreuz genagelt (Mat. 26, 35). Die Todes­qualen waren grauenhaft und dauerten oft zwei bis drei Tage. Der Leichnam des Gemarterten wurde den Vögeln zum Fraß preisgegeben. Wenn die Evangelien berichten, dass der römi­sche Statthalter Pilatus seine Einwilligung zur sofortigen Bestattung des gekreuzigten Jesus gab (Mat. 26, 27ff.), so ist das wohl auf ein Entgegenkommen dem jüdischen Gesetz gegenüber zu­rückzuführen. Im Übrigen aber fügt sich die Schilderung von Jesu Hinrichtung durchaus in das Bild der von den Römern geübten Kreuzi­gungsstrafe ein. S. auch Art. Jesus.