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JÜDISCHES RECHT

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Rechtswörterbuch - SIEBTE ABTEILUNG - Ergänzungsartikel - SOFERISCHE GESETZE

Jüdisches Lexikon





SOFERISCHE GESETZE

Bezeichnung der gesetzlichen Bestimmungen derjenigen Schriftgelehrten ("Soferim"), die in der Zeit Esras und nach ihm bis zum Untergang des Perserreiches (332 v.) wirkten und Mitglieder der "die große Synagoge" genannten Körperschaft waren. Welche Gesetze und Verordnungen von den Soferim ausgegangen sind, läßt sich mit voller Bestimmtheit nicht sagen; denn verschiedentlich (s. Weiß I, 8) wird eine gesetzliche Bestimmung zu den "Worten der Soferim" gezählt, und es ist offenkundig, daß sie von Autoritäten aus viel späterer Zeit herrühren. Oft sind die "Worte der Soferim" den "Worten der Tora" gegenübergestellt, um nichts weiteir zu besagen, als daß eine Vorschrift nachbiblisch ist. Nur dort, wo das hohe Alter einer Vorschrift sich aus der Sache selbst ergibt und sie überdies in den Bereich der Wirksamkeit der "Großen Synagoge" fällt, oder wo auch die Formulierung für ein hohes Alter spricht, läßt sich mit einer gewissen Sicherheit sagen, daß man es mit einer Bestimmung der Soferim zu tun hat. So wird Jew. 2, 3 die Ausdehnung des Eheverbots auf die zweiten Verwandtschaftsgrade zu den Verordnungen der Soferim gezählt. Hier handelt es sich zweifellos um sehr alte Verordnungen, die überdies einen * "Zaun um die Tora" bilden sollen - und einen solchen Schutz zu schaffen, war ja nach P. A. I, 1 Aufgabe der "Großen Synagoge". Neg. XII, 5‑7 wird die Frage: "Wie erfolgt die Besichtigung eines Hauses, in dem der Aussatz steckt, durch den Priester ?" (von den offenbar späteren Zusätzen abgesehen) einfach in der Weise beantwortet, daß die betreffenden Bibelverse (Lev. 14, 34ff.) wörtlich zitiert und nach jedem Bibelvers erklärende Worte hinzugefügt werden. Das fällt ganz aus der sonst üblichen Formulierung der Halachasätze in der Mischna heraus und entspricht einer Lehrweise, der das Bibelwort alles ist, und die nur das zur praktischen Anwendung Notwendigste erklärend hinzufügt. Wo ferner Vorschriften, die in der Schrift nirgends ausdrücklich geboten sind, in der Mischna als selbstverständlich vorausgesetzt und so behandelt werden, als wäre ihr biblischer Ursprung unzweifelhaft, kann als sicher angenommen werden, daß sie auf die Schrifterklärung der Soferim zurückgehen. So wird gleich in der ersten Mischna Ber. I, 1 das Gebot des Schema‑Lesens am Abend und am Morgen als etwas Selbstverständliches und allgemein Bekanntes vorausgesetzt (auf die Männer der "GroßenSynagoge" werden überhaupt die ältesten Gebete zurückgeführt); ebenso Sabb. I, 1 das Verbot des Tragens am Sabbat von einem Privatbereich in einen öffentlichen und umgekehrt (s. Eruw; vgl. Neh. 13, 15 und b. Sabb. 123b). Das Gleiche gilt ferner von solchen Erklärungen zur Schrift, ohne die gewisse Gebote der Schrift nicht ausgeführt werden konnten, Das Gebot des Feststraußes konnte erst befolgt werden, als die Erklärung gegeben war, daß unter der "Frucht des Prachtbaumes" der Etrog zu verstehen ist. ‑ Siehe auch Gesetzeslehrer.