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JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Marcus Cohn

Justitia
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Rechtswörterbuch - SIEBTE ABTEILUNG - Ergänzungsartikel - BRAUCH

Jüdisches Lexikon





BRAUCH

Von der schriftlichen Lehre, die Tora, wird die mündliche unterschieden. Zu den Bestandteilen der letzteren gehören: die mündliche Überlieferung im engeren Sinne, die bis auf Moses zurückgeführt wird; von autoritativer Seite eingeführte und allgemein übernommene Einrichtungen; Bestimmungen, durch die der Übertretung von Gesetzesvorschriften vorgebeugt werden soll; durch Folgerung abgeleitete Bestimmungen und schließlich auch der Brauch, der mit dem Gefühl seines verpflichtenden Charakters geübt wird, ohne in einer der anderen genannten Formen der mündlichen Lehre zu wurzeln. Man kennt Landes- und Ortsbräuche, Bräuche gewisser Familien und der durch Keuschheit und Schicklichkeitsgefühl besonders ausgezeichneten jüdischen Frauen, Bräuche der Frommen, Bräuche der Väter und solche, die auf die Propheten zurückgeführt werde usw. Im Allgemeinen werden diese Bräuche sehr gewürdigt und mit verpflichtendem Charakter bekleidet. Im Talmud heißt es: „Man ändere den Brauch nicht“ (b B.K. 117b); "Kommst du in eine Stadt, richte dich nach deren Brauch" (Midrasch Rabba, Wajera); "Der Brauch hebt die Halacha auf (B. M. 7,1). Bei zweifelhaften Gesetzesentscheidungen heißt es: "Geh und siehe nach dem Brauch des Volkes" (b. Ber. 48a). Als Beispiele von Bräuchen, die Gesetzescharakter erlangt haben, seien erwähnt: der auf Rabbi Gamaliel II zurückführte, allgemein geltende Brauch, unter Fernhaltung alles Prunkes die Toten in einfachem Linnen zu bestatten; ferner die Feier des zweiten Festtags in der Diaspora, dessen Beibehaltung auch nach dem Wegfall der ursprünglichen Gründe. gefordert wird mit den Worten: "Ändert nichts an dem Brauch eurer Väter" (b. Beza 4b). Dieser letzten Mahnung entsprechend heißt ein grundsätzliches Wort (b. Men. 20 b): "Der B. unserer Väter ist Tora", d. h. verbindlich wie die schriftliche Lehre. Doch gibt es auch Ausnahmen. Missbräuchen soll entgegengetreten werden, ebenso solchen Bräuchen, die auf einer irrtümlichen Auffassung von dem beruhen, was erlaubt und was verboten ist (b. Chull. 6a). Ferner sollen Bräuche, mit deren Ausführung die Übertretung eines Verbots verbunden ist, solche, die zu einer Verderbnis führen oder einen ganzen Erwerbszweig, z. B. den Handel, schädigen, und endlich solche, deren Berechtigung infolge veränderter Umstände aufgehört hat (entsprechend der juristischen clausula rebus sic stantibus), aufgehoben werden (Responsen des Ascher b, Jechiel 55, 10; O. Ch. 690, 17, Magen Awraham), Ausführlicheres in den Responsen des Schlomo Aderet 142; Chawot ja'ir 126; Isaak b, Scheschet 443; Knesset JecheskeI17).