Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Marcus Cohn

Justitia
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Rechtswörterbuch - SIEBTE ABTEILUNG - Ergänzungsartikel - BANN

Jüdisches Lexikon





BANN

1. biblische Zeit

In der Bibel bedeutet der Bann (Heb. Cherem) in der Hauptsache ein Sieges-Weiheopfer an Jahve als den Kriegsgott. Ihm werden Personen und Sachen des Feindes im Kriege "gelobt" und im Falle eines Sieges als Opfer dargebracht, d. h. Menschen und Tiere hingemetzelt und Sachen verbrannt. In der Praxis gestaltete sich das Verfahren etwas milder, oft wurden Jungfrauen und Kinder verschont, Vieh und Habe als Beute genommen, nicht brennende Gegenstände wie Metalle dem Heiligtum zugeführt. Wer etwas vom Banngut nahm, verfiel selbst dem Bann, d. h. dem Tode (Jos. 7, 24ff.). In anderen Fällen bedeutet „bannen“ nichts anderes als: der Gottheit freiwillig vom Vieh, vom Grundbesitz oder von anderen Gütern etwas zu opfern, was dann der Priesterschaft gehörte (Lev. 27,28; Num. 18,14; Ez. 44,29). Wieder anderer Art ist der Bann, wenn er als Exekutionsmittel für religiöse Vergehen erscheint, wie z. B. im Falle der "verstoßenen“ Stadt (Deut. 13, 12-19); vgl. das Vorgehen gegen den Stamm Benjamin in der vorstaatlichen Zeit (Ri. 20, 48) und gegen Jabes Gilead (Ri. 21, 10). Nach der Babylonischen Gefangenschaft ist ein blutiges Einschreiten weder möglich noch nötig, und man versteht unter Bann den Ausschluss aus der Gemeinde unter gleichzeitiger Konfiska­tion des Vermögens (Esra 10, 8); später entfiel auch letzteres. Im Judentum der nachfolgenden Zeit, wie u. a. auch Stellen im. N.T. zeigen, sinkt der Bann zu einer kirchlichen Maßregel herab und wird „excommunicatio”, d.h. Ausschließung aus der Gemeinde und Aberkennung der religiösen Ehrenrechte. Der Bann wird jetzt hauptsächlich gehandhabt zur Aufrechterhaltung und Befesti­gung der behördlichen Autorität und zur Er­zielung einer Einheit in Leben und Lehre des Judentums. Vom Judentum ging die Praxis des Banns in die christliche Kirche über, teilweise auch mit schweren Folgen für das bürgerliche Leben.

2. mit dem Beginn unserer Zeitrechnung

Der Talmud kennt drei Stufen des Banns, den Verweis (Heb. nesifa), angewendet im Schulleben, wenn der Lernbeflissene sich ge­gen den Lehrer unangemessen benommen hat; zeitweilige Ausschließung (Heb. niduj); der große Bann (Heb. cherem), der nur durch völlige Reue und Unterwerfung des Schuldigen zu lösen ist. Die Verhängung des Banns ist aus der Hand der Behör­den allmählich in die der Schulhäupter und der einzelnen Rabbinen übergegangen. Die hierbei befolgten Zeremonien, obschon im Talmud angedeutet, prägten sich erst im Mittelalter, z. Zt. der Gaonen aus und variierten sehr nach Zeiten und Ländern. Unter den Tannaiten (die ersten zwei jahrhunderte unserer Zeitrechnung) verfielen dem Bann durchaus nur wegen Schulstreitigkeiten, Akawja b. Mahallalel, Elieser b. Hyrkanos u. a., angedroht wurde u. a. der Bann dem R. Chanina, der in Babylonien eine vom Patriarchen in Palä­stina unabhängige Kalenderbestimmung vornehmen wollte (b. Moed katan 17a). Mit dem Gebannten durfte außer seinen Fami­lienangehörigen niemand verkehren; und da das sowohl formell als praktisch zuweilen dem Unterbinden seines Gewerbes und Handels gleichkam, so wuchs sich der Bann zu einer furchtbaren Strafe aus.

3. vom Mittelalter bis zur Neuzeit

Aus dem Mittelalter ist die Praxis der Gaonen bekannt, die die Gründe für den Bann, dessen Formeln und Bestimmungen wiederholt festlegten. In Palästina wurde der Bann, sofern er nötig geworden, in den alljährlich am Laubhüttenfeste (Sukkot) auf dem Ölberge zu Jerusalem abgehaltenen Versammlungen feierlich verkündet, doch suchten in arabischer Zeit die Behörden denselben einzustellen, weil mit ihm nicht selten Missbrauch getrieben wurde. Behördliche Ein­mischung war auch in anderen Ländern oft nötig geworden. Anderenteils waren zuweilen auch die Regierungen daran interessiert, dass ein Bann unter den Juden ausgesprochen werde, wenn es z. B. galt, das Vermögen richtig zu erheben und danach die Steuern zu bemessen. Eine Bann- oder Schwurformel zu diesem Zwecke, wie sie die Juden unter sich festsetzten, befindet sich z. B. aus Venedig (15. Jhdt.) im Buche Leket joscher 11, 36. In Prag war in Wahlahngelegenheiten eine Babbformel eingeführt worden. Doch hat im ganzen der Bann seinen religiösen Charakter bewahrt und wurde hauptsächlich wegen Religionsverbrechen verhängt, wozu freilich alles gehörte, was gegen den Ausspruch irgend eines Religionsoberhauptes verstieß.

Wie schon in alter Zeit Sekten und Sektierer, z. B. Samaritaner und Judenchristen, in den Bann getan wurden, wie ferner im Mittelalter gegen Karäer und zahlreiche andere mit dem Rahbinismus zerfallene Irrlehrer vorgegangen wurde, noch in der Neuzeit gegen die Anhänger von „falschen Propheten“ (Sabbataj Zeviund Jakob Frank), so verfuhr man auch zu allen Zeiten gegen jede Abweichung von der zu Recht bestehenden rabbinischen Lehre und Sitte.

Berühmt ist u. a. der gegen Baruch Spinoza geschleuderte Bann.