Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Marcus Cohn

Justitia
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Jüdisches Lexikon





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Das jüdische Recht kennt keine öffentlichen Ankläger; eine staatsanwaltliche Behörde ist ihr fremd. Die Anzeige oblag daher den Privaten, vor allem denen, die Zeugen des Verbrechens waren (vgl. Num. 15,33). Die Zeugen mussten zunächst den Verbrecher verwarnen und ihn auf die ihm drohende Strafe aufmerksam machen, da nach jüdischem Recht die Tat nur nach vorangegangener Verwarnung strafbar ist. Sie erstatteten dann die Anzeige die sie durch ihr Zeugnis er­härteten. Bei privatrechtlichen Streitigkeiten hatte der Geschädigte die Sache zur Anzeige zu brin­gen, um seine Ansprüche geltend zu machen. Der Geschädigte war daran interessiert, den Fall rasch zur Anzeige zu bringen, um dem Geständ­nis des Beklagten vorzugreifen, da nach bereits erfolgter Anzeige Reue nicht mehr Befreiung von Buße bewirkte. Auch die Gerichtsbeamten waren mitunter verpflichtet, ihnen bekannt gewordene Ver­brechen zur Anzeige zu bringen. Das Rechtsgefühl der Einzelpersonen hatte sich während des jüdischen Staatslebens in der Zeit des zweiten Tempels derart bewährt, dass niemals die Errichtung einer besonderen Behörde zur Er­stattung der Anzeige von Amtswegen als nötig befunden wurde. In der religiösen Vorstellung tritt jede Sünde eines Menschen als dessen vor Gottes Thron (P. A. 4, 13).