Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Marcus Cohn

Justitia
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Rechtswörterbuch - ERSTE ABTEILUNG - Allgemeine Rechtsbegriffe - WITWE

WÖRTERBUCH DES JÜDISCHEN RECHTS

Neudruck 1980 der im "Jüdischen Lexikon" (1927-1930)
erschienenen Beiträge von Marcus Cohn



WITWE

(almana). Für Witwen und Waisen gelten im j. Recht eine Fülle von besonderen Ansprüchen und Schutzvorschriften, welche diese des Ernährers beraubten Personen vor Angriffen oder wirtschaftlicher Not schützen wollen. Zugunsten der W. wird in der Bibel noch besonders angeordnet, daß ihr Kleid nicht gepfändet werden darf (Deut. 24, 17). Beim Gericht darf sie beanspruchen, zuerst, vor anderen Parteien, vor dem Richter zu erscheinen (Maimonides, H. Sanhedrin 21, 6).

Die W., der ein Erbrecht gegenüber ihrem Ehemann nach j. Recht nicht zusteht (s. Eherecht und Erbrecht), kann von den Erben die Verpflegung im Hause beanspruchen (Ket. 4, 12; 12, 3). Genau geregelt sind die Modalitäten, unter denen die W. ihre güterrechtlichen Ansprüche aufgrund der Ketubba an die Erben des Ehemannes durchsetzen kann (Ket. 9, 2ff.). Eine W., die vor der Ehe dem Priestergeschlecht angehörte, erwirbt, falls die Ehe kinderlos geblieben ist, durch den Tod ihres Ehemannes wieder ihre früheren Rechte; das einem Priester angetraute Weib hat, bis der Tod des Mannes festgestellt worden ist, alle aus der Priesterstellung sich ergebenden Rechte (Gitt. 4, 3). Der Hohepriester darf eine W. nicht heiraten; im allgemeinen darf die W. aber eine Priesterehe eingehen (Lev. 21, 14).

Hat ein Vater seine Tochter kraft der ihm zustehenden elterlichen Gewalt verheiratet, so kehrt sie als W., auch falls sie noch minderjährig ist, nicht mehr in die elterliche Gewalt des Vaters zurück. Die güterrechtlichen Ansprüche der W. sind bei Eingehung einer neuen Ehe halb so groß wie diejenigen einer Jungfrau (Ket. 1, 2).