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JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Marcus Cohn

Justitia
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Rechtswörterbuch - ERSTE ABTEILUNG - Allgemeine Rechtsbegriffe - SCHA'AT HADECHAK

WÖRTERBUCH DES JÜDISCHEN RECHTS

Neudruck 1980 der im "Jüdischen Lexikon" (1927-1930)
erschienenen Beiträge von Marcus Cohn



SCHA'AT HADECHAK

(wört-lich: "die Zeit der Bedrängnis), Bez. Für Zwangsumstände. Der Ausdruck findet sich bereits an manchen Stellen im talmudischen Schrifttum, so P. A. 2, 3, wo von den Machthabern gesagt wird, daß sie dem Menschen in der Zeit seiner Not nicht beistehen. Im j. Recht wird unter Sch. h. eine Situation verstanden, die im Hinblick auf einen zu gewärtigenden Schaden Erleichterungen vor allem hinsichtlich religionsgesetzlicher Vorschriften rechtfertigt. Dieser gefürchtete Schaden muß ein wesentlicher sein (hefssed merubbe); bisweilen genügt jedoch auch ein geringfügiger Schaden (hefssed mu-at), um eine Erleichterung zuzulassen. Die Halacha, daß in solchen Fällen erleichternd entschieden werden darf, geht auf den Grundsatz zurück (b. Chul. 49b), daß "die Tora auf das Vermögen Rücksicht nimmt" (hatora chassa al mamonam schel jisrael). Im Talmud finden sich eingehende Abhandlungen, inwieweit diesem Grundsatz gehuldigt werden darf (vgl. z. B. b. Chul. 56a; b. Ket. 6Oa; b. Sabb. 154b). R. Moses Isserles (Remo) hat den Grundsatz des größeren oder kleineren Schadens insofern zu einem für die Halacha sehr wichtigen Prinzip ausgebaut, als er die Entscheidung über "groß" und "klein" in jedem einzelnen Falle der subjektiven Einsicht des Rabb. überläßt.