Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Marcus Cohn

Justitia
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Rechtswörterbuch - ERSTE ABTEILUNG - Allgemeine Rechtsbegriffe - NETINIM

WÖRTERBUCH DES JÜDISCHEN RECHTS

Neudruck 1980 der im "Jüdischen Lexikon" (1927-1930)
erschienenen Beiträge von Marcus Cohn



NETINIM

(wörtlich: "Gegebene", d. h. etwa: Hörige; vgl. Deut. 28, 3 lf.), ein erblicher Stand von Tempeldienern, die in Esr., Neh. und Chron. öfter genannt werden. Sie standen sozial niedriger als die Leviten, Sänger und Torwärter, aber höher als die "Salomoknechte" (z. B. Esr. 2, 40-58), die ihnen meistens zugerechnet werden. Beide Gruppen zählten bei der Rückkehr unter Serubabel zusammen 392 Mann (ebd.), Esra brachte 220 N. dazu (8, 20). Die N. waren damals vollgültige freie Mitglieder der jüdischen Gemeinde (Neh. 7, 67, 10, 29); es wurden über sie Geschlechtsregister geführt; sie genossen Steuerfreiheit wie alle Tempelbeamten (7, 24) und wohnten teils in den Städten (2, 70), teils in Jerusalem, u. zw. am Ofel, dem schmalen Raum zwischen der Ostmauer des Tempels und der Böschung des Berges (Neh. 3, 36). Nach 1. Chron. 9, 2. 35ff. dachte man, sie stammten von den Kanaanäern aus Gibeon (Jos. 9, 23. 27). Ihre Arbeit war danach die niedrige des Holzhauens und Wasserschöpfens. Da in Gibeon früher ein wichtiges Heiligtum stand (l. Kön. 3, 4), liegt es nahe, anzunehmen, daß die N. ursprünglich Nachkommen der dortigen Priester waren, die seit der Zentralisation des. Kultus 621 v. degradiert wurden (ähnlich Ez. 44, 1 lff.); im 5. Jh. ahnte man zwar noch ihre Abkunft; die Teilnahme an der Alija und am Tempeldienst aber erhöhte ihre soziale Stellung wieder. Der Ausdruck Num. 3, 9 u. ö. läßt vermuten, daß sie später in die Leviten aufgegangen sind. Doch verbietet noch E. H. 4, 1 Ehen mit N., wegen 1I. Sam. 21, 2.

Die N. sind, gleich dem Mamser, nach j. Recht nicht ehefähig, weder die Männer noch die Frauen; sie können vielmehr nur untereinander heiraten (Kidd. 4, 1; b. Jew. 78b). Die Festsetzung ihrer Eheunfähigkeit wurde nach dem Talmud von David ausgesprochen, der sich auf die Bemerkung in II. Sam. 21, 2 ("die Gibeoniten gehören nicht zu den Söhnen Israels") stützte. Nach anderer Meinung wurde ihre Ausschließung von der j. Ehe auf eine Verordnung Esras zurückgeführt. Dementsprechend bedeutet Netinut (z. B. b. Ket. 14a) das Verbot der Eheschließung mit den N. - Auch von den N. wird wie von den Mamserim gelehrt, daß ihre Untauglichkeit in der messianischen Zeit aufhören und dann die eheliche Verbindung mit ihnen erlaubt sein werde.