Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Marcus Cohn

Justitia
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Anfänge - Rabbi Jehuda

Wo beginnt das jüdische Recht?

Rabbi Jehuda

Mit der Kanonisierung der Tora in der Mitte des 5. Jhd. v.d.Z. begann die Zeit des Studiums und der Auslegung des Gesetzes, aber insbesondere auch die Rechtsfortbildung, die den Änderungen in den Verhältnissen der folgenden Jahrhunderte nach und nach Rechnung tragen musste. Neben dem geschriebenen Gesetz entwickelte sich eine mündliche Überlieferung, die im Laufe der Jahrhunderte an Umfang und Bedeutung gewaltig zunahm.
Nun war das mündliche (nichkodifizierte) Recht in den antiken Rechtsystemen keine Besonderheit des jüdischen Rechts. Plato nennt das nichtgeschriebene Recht "Brauch der Väter" (patrius nomus), Aristoteles unterscheidet zwischen dem "Nichtgeschriebenen (agraphos) und dem "Geschriebenen" (gegrammenos). Eine Besonderheit Israels war jedoch die religiöse Einstellung zu dem von Gott an Moses gegebenen Gesetz, das einzigartig und ohne Konkurrenz bleiben musste. Die Gelehrten haben es abgelehnt, das in Jahrhunderten gesammelte und überlieferte Wissen aufzuzeichnen, damit das Neue nicht das Alte von seiner Position verdränge. "Das Schreiben von Halachot (gesetzliche Vorschriften) gleicht der Verbrennung der Tora" heisst es im Talmud (b. Ter. 14b), denn Gott sagte zu Moses (Ex. 34, 27): "Schreib dir diese Worte auf", was besagt, dass man andere Worte nicht aufschreiben darf.
Im ersten Jhd. n.d.Z. begannen einige der großen Gelehrten, kleine Rechtssammlungen (Mischnajot) zu einzelnen Themen aufzuschreiben, jedoch war das mehr oder weniger für den "Hausgebrauch" und nicht als eine allgemeingültige Veröffentlichung gedacht. Allerdings haben manche Gelehrte die Gefahr erkannt, dass die mündlichen Überlieferungen aus den vielen Lehrhäusern irgendwann in Vergessenheit geraten werden. Um das Verbot der Niederschrift der mündlichen Gesetzeslehre zu übergehen, prägten die Gelehrten eine neue Regel: "Besser, dass ein Buchstabe aus der Tora preisgegeben wird, als dass die Gesetzeskunde in Vergessenheit gerate". Rabbi Jehuda hat die Initiative ergriffen. Unter seiner Leitung wurde um das Jahr 200 ein Gesetzes-Kodex erstellt: die Mischna, aufgeteilt in sechs sachbezogenen Ordnungen. Das jüdische Recht konnte sich von nun an ungehindert entfalten, was nach 300 Jahren in der Kodifizierung der Gemara (s. folgenden Artikel) gipfelte.

R. Jehuda ha-Nassi (der Patriarch) wurde um 135 n.d.Z geboren und verstarb nach 200. Um 170 wurde er nach dem Tode seines Vaters, des Patriarchen Simon ben Gamliel II, in die Nassi- (Patriarchen-) würde eingesetzt. Er war reich, lebte aber bescheiden und verwandte seine Schätze fast ausschließlich zur Versorgung seiner vielen Schüler. Er war mit einem römischen Kaiser aus dem Hause der Antoninen befreundet, möglicherweise mit Mark Aurel. Wegen seiner Güte und Gelehrsamkeit und seines Charisma wurde er vom Volk geehrt und geliebt, so dass bereits damals gesagt wurde, seit Moses seien Gesetzeskenntnis und Autorität nie in einer Person so vereint gewesen wie in ihm (b. San. 36a). Er wurde, und wird auch heute noch, schlechthin Rabbi (unser Lehrer) oder Rabbenu Hakadosch (unser heiliger Lehrer) genannt.


Rabbi Jehuda

Eine Seite aus der Mischna mit deutscher Übersetzung und Erklärung