Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Marcus Cohn

Justitia
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Anfänge - Die Sintflut - Die Kinder Noachs

Wo beginnt das jüdische Recht?

Bnei Noach

Die Kinder Noachs

(Dieser Beitrag wurde der Webseite http://www.qumran.org/ entliehen)

Die Bewegung der "Bnei Noach"

 


 

Was sind die B'nai Noach?

Um es wirklich einmal ganz kurz und einfach zu sagen, B'nai Noach - oder: "Kinder Noachs", wenn man es in's Deutsche übersetzt - ist die talmudische Lebensweise, die sich auf alle Menschen bezieht. Gemäß der Bibel sind wir alle Nachkommen eines einzigen Mannes, nämlich Noachs (naja, nach der Sintflut blieb ja nur seine Familie übrig), und somit "Kinder Noachs" (Genesis 10).

 

Du beziehst Dich auf den Talmud. Ist dieses Konzept denn auch in der Bibel enthalten?

Ja, nur nicht unter diesem Namen. Fragt Euch doch mal selbst: was war die Glaubensform Henochs, Noachs, Shems, Jethros und all jener, die vor dem Bundesschluß am Sinai ihren Glauben an den einzigen G-tt lebten? Denkt daran: zu jenem Zeitpunkt gab es noch keine Juden, es gab auch noch kein Volk Israel. Offensichtlich hatten sie auch eine Glaubensform, Standards und Ordnungen, denen sie folgten. Sie erfreuten sich einer vollen und reichen Beziehung zu und mit dem einen Schöpfer, G*tt. Der Talmud diskutiert die Einzelheiten dieses Glaubens, der an verschiedenen Stellen des Buches Genesis zu finden ist.

 

Okay, wir sind also alle "Kinder Noachs". Aber was ist der tiefere Sinn dieser Beschreibung? Ist es eine Glaubensrichtung, der man anhängt?

Nicht für sich, da klemmt noch ein wenig mehr d'ran. Verbunden mit der Idee, ein Nachkomme Noachs zu sein, sind die Noachidischen Gesetze. Diese beschreiben die einfachen Grundsätze einer kompletten und dynamischen Beziehung mit G*tt (also sozusagen die Basics).

Eine der besten und akkuratesten Beschreibungen findet sich in der "Encyclopedia Britannica" unter dem Artikel "Noachide Laws". Zitat:

 

"... a Jewish Talmudic designation for seven biblical laws given to Adam and to Noah before the revelation to Moses on Mt. Sinai and consequently binding on all mankind" (The New Encyclopedia Britannica: Micropaedia, 15. Auflage, Band 8 Seite 737)

Übersetzung fuer Nicht-English-Sprecher: "... eine jüdisch- talmudische Bezeichnung fuer sieben biblische Gesetze, wie sie Adam und Noah - vor der Offenbarung G*ttes gegenüber Moses am Berg Sinai - gegeben wurden. Sie sind für alle Menschen verbindlich".

An dieser Beschreibung läßt sich festmachen: Ein "richtiges Kind Noachs" - oder besser: ein Noachide - ist jemand, der sich gemäß den Sieben Noachidischen Gesetzen verhält, welche Basis des Nochidischen Bundes sind, den G*tt mit allen Menschen geschlossen hat.

 

Somit sind Juden also auch Noachiden? Nach der bisherigen Beschreibung wäre das ja so: Auch sie sind doch Nachkommen Noachs.

Nein. Dies ist eigentlich eine Kategorie nur fuer Nichtjuden. Die Noachidischen Gesetze wurden lange vor Abrahams Zeiten geoffenbart. Das Volk Israel, welches wir heute als Juden kennen, sind Nachkommen Abrahams über Isaak und Jakob. Sie haben ihre(n) eigene(n) einzigartige(n) und ganz spezielle(n) Bund und Mission gegenüber der Welt, wie es in der Torah ausgedrückt wird, die Moses am Sinai offenbart wurde. Israel und "die Nationen" sind hier auseinander zu halten (4.Mo 23,9; 2.Mo 19,5-6).

 

Was sind denn nun diese sieben Noachidischen Gesetze?

Kurz gesagt: das Verbot des Götzendienstes, der Gotteslästerung, des Mordes, Inzests, Raubes sowie des Essens von Fleisch, welches von noch lebenden Tieren genommen wurde - sowie das Gebot, ein funktionierendes Rechtssystem zu schaffen.

 

Das scheint ja ziemlich einfach zu sein - fast schon zu einfach. Es klingt wie grundlegende universelle Ethik. Kann man davon tatsächlich eine Glaubensrichtung herleiten?

Sie sind tatsächlich mehr eine Basis. Diese Sieben Gesetze repräsentieren Anfangs- Prinzipien, oder übergreifende Kategorien bzw. "Headings", für einen Glaubens- und Lebensweg, der auf der Torah basiert -- jedoch für Nicht-Juden interpretiert wird. Um ein paar Beispiele zu nennen: Das Verbot des Götzendienstes setzt das Verständnis des Einen G*ttes Israels und seiner Natur voraus, weiterhin die Bedeutung von Götzendienst und was damit zusammenhängt, einbezüglich des Verbotes des Okkulten etc. Das Verbot des Essens von Fleisch noch lebender Tiere hat mit dem Prinzip der guten Behandlung von Tieren zu tun. Das Verbot von Inzest beinhaltet das vollständige Verständnis dessen, wie die Torah die menschliche Sexualität sieht... Die talmudischen Rabbinen führen dies auf verschiedene Art und Weise aus. Ob Du es glaubst oder nicht, dieses Herannahen an G*tt kann einen zu lebenslangem Studium und Aktivität führen, zu einem vollen "Torah Glauben", wie ihn ein Nicht-Jude haben kann. Die Torah beginnt mit der Schöpfung. Es ist eine Offenbarung für alle Menschen, nicht nur für Juden allein. Israel wird die Funktion eines Priester-Volkes zugewiesen (2.Mo 19,6), welches allen Nationen diesen Torah-Glauben bringt:

"Ich, der HERR, ich habe dich in Gerechtigkeit gerufen und ergreife dich bei der Hand. Und ich behüte dich und mache dich zum Bund des Volkes, zum Licht der Nationen." (Jes.42,6)

 

Mit einer einzigen Ausnahme sind alle diese Gesetze ja Verbote. Warum so negativ?

Oh, hier handelt es sich wohl um ein generelles Missverständnis des Torah-Glaubens im Allgemeinen. Nur zur Erinnerung: acht der zehn Gebote sind ebenfalls "negativ". Nehmen wir ein Beispiel: "Du sollst nicht ehebrechen" muss keine negative Äusserung sein; es betont die zentrale und zerstörerischste Bedrohung der sexuellen Erfüllung des Menschen. Aus dieser Sicht gesehen ist es ein Schutz, und somit positiv. Oder denken wir an die sogenannte "negative" Goldene Regel Rabbi Hillels: "Was Du nicht willst, das man Dir tu - das fueg' auch keinem andern zu." Ist das wirklich negativ? Nicht, wenn man genauer darüber nachdenkt. Spricht es doch schließlich und endlich von einer "positiven" Behandlung des Mitmenschen. Von den insgesamt 613 Gesetzen der Torah, wie sie Israel gegeben ist, sind 365 "negative", waehrend 248 "positiv" sind. Wenn man sie jedoch genauer studiert, wird man feststellen, daß sie sich dennoch im Gleichgewicht befinden...

 

Du sagst, das Noachidische Konzept beinhalte einen vollständigen Lebensstil. Kannst Du das mal etwas näher erklären? Diese Gesetze zu befolgen, selbst wenn sie auf ganze Kategorien ausgedehnt werden, scheint mir nicht genug zu sein, um die spirituellen Bedürfnisse eines Menschen zu befriedigen. Wie sieht es mit Gebeten aus, mit Anbetung, Feiertagen, Bräuchen und Traditionen? Gibt es so etwas denn auch bei den Noachiden?

Aber natürlich, ja. Die Noachiden sind, gemeinsam mit leitenden Rabbinen in Israel und in den Vereinigten Staaten, dabei, Gebete, Zeremonien und Rituale zu entwickeln, welche ihnen als Nicht-Juden angemessen sind, welche den einen G*tt Israels anerkennen. Sie wollen damit keine neue Religion gründen - dies ist nach Rabbi Moshe ben Maimon (Maimonides, auch RaMBaM genannt) verboten. Aber ebensowenig wollen sie einfach nur jüdische Praktiken "imitieren". Das würde die ganze Sache nur noch konfuser machen. Die meisten Noachiden haben sich von einigen der Standard-Feiertage der westlichen Welt, wie z.B. Weihnachten und Ostern mit ihren heidnischen Assoziationen, getrennt. Es gibt genügend Dinge im jüdischen Festtagskalender, was sich auf alle Menschen bezieht. So wird der Shabbat zuerst in 1.Mose 2 erwähnt, wo er als Tag der Ruhe und der Erinnerung an die Schöpfung für alle Menschen geheiligt wird. Die Einhaltung des Shabbat jüdischerseits gemäß der Halacha (dieser Term beschreibt das jüdische Rechtssystem) ist eine andere Sache. Jom Kippur, der Versöhnungstag, ist ein Tag, an dem alle Menschen, Juden wie auch Nicht-Juden, sich im Geiste von Reue und Versöhnung versammeln koennen. Tatsächlich können alle Feste Israels auf eine Art und Weise begangen werden, wie sie für Nicht-Juden angemessen ist - in "Solidarität" mit dem jüdischen Volk. Die Noachiden entwickeln, mit orthodox-rabbinischem "Input", Heiratszeremonien, Gebete und Feiertags-Riten, wie sie von allen Menschen begangen werden können.

Ehrlich gesagt, was in unseren Tagen geschieht ist schon irgendwie neu. Wir sind in einer neuen Situation: wir hoffen, durch die Gnade HaShems (ein Begriff, der als Bezug auf den heiligen Namen verwendet wird: ha=der, Shem=Name) in ein messianisches Zeitalter geführt zu werden. Mit anderen Worten, vieles hiervon wird in vielen Nationen in Zusammenarbeit mit jüdischen Gelehrten ausgearbeitet. Dies ist der Geist von Jesaja 2 und 11, der von den Nationen berichtet, die nach Jerusalem kommen, um den "Weg HaShems" zu lernen, der in ein messianisches Zeitalter führt, in dem die Welt von Erkenntnis erfüllt ist wie das Meer mit Wasser (Sacharja 14,9). Offensichtlich soll ja nicht die ganze Welt jüdisch werden. Aber allen Nationen kann von G*tt gelehrt werden und von dem Weg G*ttes für diesen Planeten. Das Noachidische Konzept ist der Beginn eines grossen Zieles.

 

Soll das nun heißen, dass die Bewegung der B'nai Noach noch ziemlich neu ist? Oder ist es gar etwas, was wir "Kult" bzw. "Sekte" nennen?

Auf keinen Fall! Sie ist bereits recht alt. Immer daran denken: Es handelt sich da ja bereits um den Glauben Noachs und auch Abrahams (vor seiner Beschneidung)! Auf diesem Planeten läßt sich keine Glaubensrichtung finden, welche ältere Wurzeln hat als die Noachiden! Und man wird ja wohl kaum den Glauben der Patriarchen als eine "Sekte" bezeichnen :-) Genau genommen bildet er ja den Grundstock der ethischen und moralischen Werte der westlichen Welt.

Weiterhin wäre aus historischer Sicht noch erwähnenswert, daß die ersten nicht-jüdischen Anhänger jener Bewegung, die um Jesus von Nazareth entstand, sich dieser de facto nach dem noachidischen Konzept anschlossen. Mit anderen Worten: das frühe nicht-jüdische "Christentum" ließe sich akkurat als "messianische B'nai Noach Bewegung" klassifizieren. Im Gegensatz zu späteren heretischen Entwicklungen im Christentum, welche Jesus zu einer zweiten Gottheit machten (Anm.: die Trinitäts-Lehre entstand erst im 4. Jhd. u.z.). Die B'nai Noach Bewegung, wenn man sie richtig versteht, weist nicht-Juden an, sich direkt dem Einen G*tt zuzuwenden, so wie er in den Schriften offenbart wird. Dies wird auch deutlich reflektiert in Apostelgeschichte 15 sowie in Paulus' Instruktionen für nicht-jüdische Konvertiten in seinen Briefen (siehe 1.Korinther 5-10). 1.Thessalonicher 1,9 besagt zum Beispiel:

"...wie ihr euch von den Goetzen zu G*tt bekehrt habt, dem lebendigen und wahren G*tt zu dienen."

Er unterwies die nicht-Juden nach den Noachidischen Gesetzen. Diese wurden für nicht-jüdische Anhänger dann auch von Jakobus (dem Bruder des Jesus, der auch der Leiter der Nazarener Sekte war) zum bindenden Standard gemacht. Sie waren unter den "Gottesfürchtigen", die jüdische Synagogen besuchten um Torah zu lernen, wie sie sich auf sie bezog. In den ersten 50 Jahren gab es in dieser Bewegung nichts was dem ähnelte, was wir heute "Christentum" nennen, als eine separate, hellenistisch geprägte Religion, welche sich vom Judentum unterscheidet. Die ganze Bewegung war durch und durch jüdisch - jedoch waren auch nicht-Juden eingeladen, auf der Basis des noachidischen Konzepts an der Bewegung teilzuhaben, ohne zum Judentum zu konvertieren.

Was ist denn nun die Haltung der B'nai Noach Bewegung in Bezug auf das Christentum?

Die Bewegung der B'nai Noach ist definitiv keine christliche. Sie ist größer als alle Weltreligionen. Immer daran denken: Es ist der Glaube aller "Nachkommen Noachs" - also aller Menschen! Wir würden es gerne sehen, würde es sich ausbreiten unter Moslems, Buddhisten, Hindus usw., wie auch unter Christen. Eines der "Basics" ist es ja, sich von "Götzen" abzuwenden. Und die meisten Weltreligionen sind in der einen oder anderen Weise in Götzendienst verwickelt. Im Licht der Offenbarung der Torah ermutigen die B'nai Noach all jene, die für das Aufgeben dieser Praktiken ein offenes Ohr haben.

Ein Beispiel: kein Noachide würde Jesus anbeten oder mit HaShem, dem einen G*tt Israels, auf eine Stufe stellen; oder die Torah als G*ttes ewige Offenbarung ablehnen; oder das Volk Israel verachten. In unserer Bewegung haben wir all diese Hintergründe und Glaubensrichtungen. Wir haben verschiedene Level. Aber was wir gemeinsam haben, ist unsere Liebe zu G*tt, der Torah und zu Israel. Und wenn wir gemeinsam Lernen stellen wir fest, dass wir immer weiter zusammenkommen. Jeder wird mit seinem Verlangen zum Lernen akzeptiert. Wahre "Perfektion" steht der gesamten Menschheit offen. Wie die Schrift es sagt:

"Abraham hat meiner Stimme gehorcht und meine Vorschriften gehalten, meine Gebote, meine Ordnungen und meine Gesetze" (Genesis 26,5).

Dies bezieht sich auf Abrahams Glauben in den einen G*tt; seine Bereitschaft, andere von G*tt zu lehren; das Wissen darüber, wie man Ihn anbetet, zu verbreiten; Götzendienst zu widerlegen; ebenso in G*ttes Wegen zu wandeln, freundlich zu sein, mitfühlend, Recht und Gerechtigkeit zu üben sowie andere dazu anzuhalten, die sieben noachidischen Gesetze zu befolgen. Perfektion ist das Ziel all dieser Gesetze.