Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Marcus Cohn

Justitia
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Anfänge - König Josia

Wo beginnt das jüdische Recht?

König Josia

Jerusalem, Ende 7. Jhdt v., eine Rekonstruktion

Jerusalem

Eine Renaissance erlebte der Staat Judäa zur Zeit des Königs Josia. Die außenpolitischen Verhältnisse waren sehr günstig. Die Großmacht Assyrien, die einhundert Jahre früher den Staat Israel zerbrach und Judäa tributpflichtig machte, befand sich in Auflösung und wurde schließlich von Babylonien besiegt.
Judäa wurde allmählich unter Josia selbständig und konnte sich sogar, ohne Kriege führen zu müssen, das ehemalige Israel, das Nordreich, einverleiben. Judäa errang seine staatliche Größe wie zur Zeit Davids. Weit wichtiger als die politische Freiheit waren für die Zukunft und für den Bestand des jüdischen Volkes die religiösen und kulturellen Reformen, die Josia durchführte. Er kam im Alter von acht Jahren auf den Thron und wurde von den Tempelpriestern erzogen. Im 12. Jahr seines Regiments (628 v.d.Z.) wurde im Tempel das Tora-Buch, - das sogenannte Deuteronomium, das heutzutage in der Bibel als das 5. Buch Moses bezeichnet wird - gefunden. Daraufhin wurden im ganzen Land, auch im ehemaligen Nordreich, die Kultstätten der anderen Götter, wie Baal und Astarte, zerstört; von nun an sollte der Tempel zu Jerusalem die einzige Kultstätte sein und JHWH der einzige Gott des israelitischen Volkes. Am Ende dieser Reformmaßnahmen, die sechs Jahre dauerten, wurde das Tora-Buch bei einer Großveranstaltung im Tempel vorgelesen und ein Bund zwischen dem Volk und Gott geschlossen, in dem sich das Volk verpflichtete, dem Gesetz der Tora treu zu sein.
Laut Auffassung der meisten Bibelforscher kann man erst von diesem Zeitpunkt an von einer geschriebenen Tora sprechen, mindestens ist die Existenz einer geschriebenen Tora hier zum ersten Mal dokumentiert, ferner wird hier zum ersten Mal der reine Monotheismus vom Volk anerkannt. Der erneuerte Glaube und das im Buch veröffentlichte Gesetz waren zweifellos entscheidend für die Weiterentwicklung der Gesetzesreligion der Juden und für die Tatsache, dass diese Volksreligion oder dieses Religionsvolk das darauf folgende babylonische Exil, wie auch die späteren Diaspora-Zeiten, überdauert hat.
König Josia, der von den Bibelredakteuren für so bedeutend betrachtet wurde, dass seine Ankunft auf der Weltbühne bereits 300 Jahre vor seiner Geburt angekündigt worden sein soll (ein auch für ein Buch voller Prophetien ungewöhnliches Phänomen; s. 2. Könige 13, 1-2), fiel im Kampf gegen den Ägyptischen König Necho bei Meggido um 609 v.d.Z. (dieser Kampf ist auch außerbiblisch dokumentiert).