Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Marcus Cohn

Justitia
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Anfänge - Maimonides - Glaubenslehren

Die dreizehn Grundlehren (Ikarim) des Mose ben Maimon (1135 – 1204)*

  

1.         "Ich weiß mit vollkommenem Wissen, dass der Schöpfer, gesegnet sei sein Name, schafft und führt alle Geschöpfe, und dass er allein bewirkt hat, wirkt und wirken wird."
(→ Existenz des Schöpfers; das heißt, dass etwas in höchster Vollendung existiert, das die Ursache von allem ist, was existiert; in Ihm gründet alle Existenz, und von Ihm geht aller Bestand aus.)

 

2.         "Ich weiß mit vollkommenem Wissen, dass der Schöpfer, gesegnet sei sein Name, einzig ist und dass es keine ihm vergleichbare Einheit gibt, und dass er allein unser Gott ist, der war, ist und sein wird."
(→ Die Einzigkeit Gottes; das bedeutet, dass Er, die Ursache von allem, EINER ist.)

 

3.         "Ich weiß mit vollkommenem Wissen, dass der Schöpfer, gesegnet sei sein Name, kein Körper ist, und dass ihn die Begriffe des Körpers nicht umfassen und dass es in bezug auf ihn keinerleit Gleichnis (Gleichgestalt) gibt."
(→ Die Körperlosigkeit Gottes; das bedeutet, dass jener EINE weder ein Körper ist noch eine Kraft in einem Körper und dass ihm Eigenschaften der Körper wie die Bewegung und das Ruhen nicht zukommen.)

 

4.         "Ich weiß mit vollkommenem Wissen, dass der Schöpfer, gesegnet sei sein Name, der Erste und der Letzte ist."
(→ Die Ewigkeit Gottes; das bedeutet, dass dieser genannte EINE der absolut Ewige ist und dass jedes außer ihm Existierende nicht ewig ist im Verhältnis zu IHM.)

 

5.         "Ich weiß mit vollkommenem Wissen, dass der Schöpfer, gesegnet sei sein Name, allein der Anbetung würdig ist und es nicht angeht, zu einem anderen zu beten."
(→ Gott allein; das bedeutet, dass es sich geziemt, allein Ihm zu dienen, Ihn groß zu nennen und Seine Größe kundzutun und Seine Gebote zu erfüllen.)

 

6.         "Ich weiß mit vollkommenem Wissen, dass alle Worte der Propheten wahr sind."
(→ Wort und Wahrheit; überragende Anlagen der Propheten und Wahrheit der Prophetie.)

 

7.         "Ich weiß mit vollkommenem Wissen, dass die Prophetie unseres Lehrers Mose, über ihm sei Friede, wahr ist; und dass er der Vater der Propheten vor ihm und nach ihm war."
(→ Die Prophetie Mosis; Mose als Vater aller Propheten, die vor ihm gewesen waren und die nach ihm aufgetreten sind; das bedeutet, dass Gott mit jedem Propheten, der einmal war, nur durch ein Medium gesprochen hat, mit Mose aber ohne Medium; und dass über alle anderen Propheten die Prophetie nicht nach ihrem Willen kam, sondern nach dem Willen Gottes.)

 

8.         "Ich weiß mit vollkommenem Wissen, dass die ganze Tora, die sich jetzt in unseren Händen befindet, unserem Lehrer Mose, über ihm sei der Friede, gegeben wurde."
(→ Die Tora Mosis; das bedeutet, dass die Tora vom Himmel ist; dass die Gesamtheit dieser Tora, die sich in unseren Händen befindet, von Gott zu Mose gelangt ist auf die Weise, die im übertragenen Sprachgebrauch 'Rede' genannt wird.; und dass niemand weiß, wie diese zu Mose gelangt ist, außer Mose.)

 

9.         "Ich weiß mit vollkommenem Wissen, dass diese Tora nicht vertauscht wird und dass keine andere Tora vom Schöpfer, gelobt sei sein Name, ausgehen wird."
(→ Einzigartigkeit der Tora; diese Weisung wird nicht aufgehoben, und keine andere Tora außer ihr wird von Gott her kommen, und man darf ihr nichts hinzufügen und von ihr nichts weglassen, weder im Text, i.e. Schriftliche Tora, noch in der Ausführung, i.e. Mündliche Tora.)

 

10.        "Ich weiß mit vollkommenem Wissen, dass der Schöpfer, gesegnet sei sein Name, die Taten und Gedanken eines jeden Menschen kennt, wie es heißt: 'Er, der ihre Herzen allesamt gebildet hat, versteht auch all ihr Tun'. (Ps 33, 15)."
(→ Der erkannte Mensch; das bedeutet, dass Er auf die Taten und die Gedanken eines jeden Menschen merkt und sie kennt, bevor die Menschen sie kennen. Diese Grundlehre tangiert nicht den freien Willen des Menschen.)

 

11.        "Ich weiß mit vollkommenem Wissen, dass der Schöpfer, gesegnet sei sein Name, Gutes erweist den Hütern seiner Gebote und die Übertreter seiner Gebote bestraft."
(→ Lohn und Strafe; das bedeutet, dass Er Lohn gibt dem, der die Worte der Tora befolgt, und den bestraft, der ihre Verbote übertritt; dass der größte Lohn die Teilhabe an der Welt des Maschiach ist und die härteste Strafe der Existenzverlust.)

 

12.        "Ich weiß mit vollkommenem Wissen, dass der Messias kommen wird, und wenn er auch zögert, so harre ich doch jeglichen Tages seines Kommens."
(→ Zeit des Maschiach; es ist gewiss und für wahr zu halten, dass er zur rechten Zeit kommen wird, dass er sich nicht verspätet: Wenn er sich verzögert, harre seiner, denn er bleibt nicht aus. Hab. 2.3.)

 

13.        "Ich weiß mit vollkommenem Wissen von der Auferstehung der Toten zu der Zeit, da es der Wille des Schöpfers ist, Sein Name sei gelobt und erhoben und Sein Gedenken von Ewigkeit zu Ewigkeit."
(→ Auferstehung der Toten; diese Grundlehre stellt die Hoffnung Israels dar über das Grab hinaus und über die Vergänglichkeit hinaus.)

* Zur Verfügung gestellt von Barbara Orthbandt  

Literatur:

1.      Schalom Ben-Churin: Jüdischer Glaube. Strukturen einer Theologie des Judentums anhand des Maimonidischen Credo. Tübinger Vorlesungen, 3. Auflage, Tübingen, 2001: J.C.B. Mohr (Paul Siebeck)

2.      Johann Maier: Einleitung. Zu Person und Werk des Mose ben Maimon, in: Mose ben Maimon. Führer der Unschlüssigen, 2. Auflage, Hamburg, 1995: Meiner

3.   Almut Bruckstein: Bild / Sprache / Traum: Subversion und Tradition in jüdischer Überlieferung. Vorlesung SS 2005 (Universität Frankfurt a.M. / FB06 / Martin-Buber-Stiftung.)