Zehngebote

JÜDISCHES RECHT

Forschungsstelle Marcus Cohn

Justitia
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Anfänge - Adam und Eva

Adam und Eva

Die Schöpfungsgeschichte, wie auch einige andere Erzählungen der Bibel, besonders im Buch Genesis, hat zwei Versionen. Bibelforschern ist diese Tatsache bereits vor einigen Jahrhunderten aufgefalllen, und es gibt darüber mittlerweile eine umfangreiche Literatur.

Bei der Schaffung des Menschen findet man ebenfalls zwei Beschreibungen. In der einen Version (1. Moses 1, 27) schuf Gott, wie wir eben gesehen haben, Mann und Weib gleichzeitig. Bekannter ist jedoch die zweite Version, in der Gott aus der Rippe des Adam, die er ihm während des Schlafs entnommen hat, Eva schuf:

Adam und Eva

Albrecht Dürer, Adam und Eva - 1507 / zum vergrößern HIER klicken.

"Und Gott der Herr baute ein Weib aus der Rippe, die er von dem Menschen nahm, und brachte sie zu ihm. Da sprach der Mensch: Das ist doch Bein von meinem Beine und Fleisch von meinem Fleisch; man wird sie Männin nennen, weil sie vom Mann genommen ist. Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen, und sie werden zu einem Fleisch" (1. Moses 2, 21ff).

Das englische Common Law hat diesem letzten biblischen Satz eine bemerkenswerte Interpretation gegeben. Diese kommt in dem Lehrsatz zum Ausdruck: "By Marriage, the husband and wife are one person in Law". Das führte zu weitreichenden Konsequenzen im englischen Recht: Bestimmte Rechtsgeschäfte zwischen Eheleuten, wie z.B. Verträge, waren nicht möglich ebensowenig Klagen zwischen Eheleuten auf Schadensersatz.

Diese Rechtsnorm schlich sich auch in das israelische Recht durch eine Hintertür ein: Während des britischen Mandats für Palästina wurde von der Mandatsregierung diese gesetzliche Norm durch § 9 des Gesetzes über zivilrechtliche Delikte 1944-1947 eingeführt. Die israelischen Gerichte haben nach der Gründung des Staates Israel die Geltung dieser Norm eingeschränkt. Im jüdischen Recht findet sich während seiner ganzen Geschichte keine Auslegung der erwähnten biblischen Stelle, die der englischen ähnlich ist. Jüdische Rechtsgelehrte hätten diese Auslegung wahrscheinlich für zu unrealistisch gehalten und vielleicht über sie geschmunzelt.